Anleihen aus den Emerging Markets werden immer attraktiver. Die Renditen überzeugen, die Bonitäten verbessern sich. Und vor allem: Anleger, die bisher vornehmlich in US-Dollar investiert sind, sehen im wachsenden Anleihemarkt der Schwellenländer neue Chancen.
13.02.2026 | 13:30 Uhr von «Matthias von Arnim»
Schwellenländeranleihen haben immer noch den Ruf von Nischenprodukten für nervenstarke Zinsinvestoren. In der Tat gibt es hier besondere Risiken: Politische Instabilität, stärkere Schwankungen in lokalen Währungen und ein höheres Ausfallrisiko bei Emittenten mit niedrigerem Rating können zu Verlusten führen. Anders als bei entwickelten Märkten wirken sich Zins- und Währungsbewegungen hier oft stärker auf die Kurse der Anleihen aus, weshalb die betreffenden Rentenfonds grundsätzlich eher für Anleger mit einem mittel- bis langfristigen Anlagehorizont geeignet sind.
Doch in den vergangenen Monaten ist das Thema wieder stärker in den Vordergrund gerückt. Das liegt zum einen an einer zunehmenden Skepsis gegenüber dem US-Dollar und Anleihen aus den USA. Anleger suchen aktiv nach höher verzinsten Alternativen. Und da können Schwellenländer-Anleihen mit ihren im Vergleich zu Industrieländer-Anleihen deutlich höheren Renditen punkten. Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren viele Schwellenländer ihre Fremdwährungsreserven gestärkt und Handelsbilanzdefizite reduziert haben, was ihre Fähigkeit, Schulden zu bedienen, verbessert hat. Diese neue Kombination aus höheren Kupons und moderateren Bonitätsrisiken ist für zunehmend viele Anleger ein überzeugendes Argument, um sich mit diesem Sektor näher zu befassen. Die neue Erkenntnis: Schwellenländeranleihen-Fonds können nun bei gesunkenem Risikopotenzial für mehr Diversifikation in Zinsanleger-Portfolios sorgen.
Wer in Schwellenländeranleihen investieren will, sollte genauer hinsehen. Der Markt ist komplex. Hier auf Rentenindex-ETFs zu setzen, ist nicht immer die beste Idee. Expertise und Flexibilität sind gefragt – und nicht zuletzt auch ein Fingerspitzengefühl für politische Entwicklungen in verschiedenen Ländern. Das ist durchaus herausfordernd. Denn die Märkte sind stark fragmentiert in unterschiedliche Regionen, Währungen und Bonitätssegmente. Passive ETFs können diese Komplexität nur unzureichend abbilden, da sie meist einem breiten Index folgen und wenig Flexibilität bei der Gewichtung einzelner Länder, Sektoren oder Währungsrisiken bieten. Aktive Fonds hingegen erlauben dem jeweiligen Management, makroökonomische Einschätzungen, Bonitätsanalysen und taktische Allokationsentscheidungen in die Portfoliokonstruktion einfließen zu lassen. Gerade in einem Umfeld, in dem politische und wirtschaftliche Divergenzen stark ausgeprägt sind, kann dies ein entscheidender Vorteil sein. Und so überrascht es nicht, dass aktiv gemanagte Emerging Markets-Rentenfonds im Vergleich zu vergleichbaren passiven Renten-ETFs sehr gut abschneiden.
| ISIN | Name | Fondsvolumen in Mio. Euro | Perf. 1 Jahr | Perf. 3 Jahre p.a. | TER |
|---|---|---|---|---|---|
| AT0000718580 | Kepler EM Rentenfonds A | 241,33 | +10,75% | +7,78% | 1,15% |
| AT0000989090 | ZZ1 | 548,64 | +10,67% | +5,38% | 0,52% |
| LU0029876355 | Templeton EM Bond A Qdis $ | 2023,82 | +10,54% | +9,52% | 1,89% |
| LU0350136957 | Deka-EM Bond CF | 166,22 | +10,51% | +6,86% | 1,47% |
| LU1582979818 | M&G (Lux) EM Hard Currency CHF A-h inc | 92,63 | +10,33% | +9,13% | 1,76% |
| LU0251658299 | AXA WF Global EM Bonds A auss € | 143,58 | +9,26% | +6,66% | 1,51% |
| LU0855227368 | Franklin EM Debt Opport. II I Ydis € | 879,08 | +8,76% | +8,06% | 0,90% |
| LU0149266669 | UniEuroRenta EmergingMarkets | 198,06 | +8,31% | +4,28% | 1,17% |
| AT0000842521 | ERSTE Bond EM Government EUR R01 A € | 263,99 | +8,16% | +3,44% | 1,10% |
| DE0008479213 | Multirent-INVEST | 322,83 | +7,55% | +7,69% | 1,11% |
Quelle: FVBS Professional, Stand: 12.02.2026
Wie eine Untersuchung mit der Fonds-Analysesoftware FVBS Professional zeigt, konnten einige Fonds, die in Anleihen aus Schwellenländern investieren, zuletzt mit hohem Wertzuwachs überzeugen. Dazu zählt unter anderem der Kepler Emerging Markets Rentenfonds A (ISIN AT0000718580). Der Fonds schüttet Erträge aus und hat laufende Kosten von rund 1,15 % jährlich. Der KEPLER-Fonds hält Anleihen aus einer breiten Palette von Staaten wie Mexiko, Brasilien, Südafrika, Indonesien, Argentinien oder Kolumbien und ist aufgrund seiner Währungsvielfalt und Bonitätsmischung für langfristig orientierte Anleger geeignet.
Beim ZZ1 A Fonds (ISIN AT0000989090) handelt es sich ebenfalls um einen aktiv gemanagten Rentenfonds mit speziellem Ansatz: Die Portfoliomanager investieren überwiegend im Rating-Bereich AAA-BBB, in stark abgewerteten Währungen, in Ländern mit Zinssenkungsphantasien und in längeren Anlagehorizonten. Durch sein flexibles Laufzeit- und Währungsmanagement ist das Fondsmanagement nicht an einen festen Index gebunden, was Chancen wie Risiken erhöht – insbesondere bei stärkeren Währungsschwankungen.
Der Templeton Emerging Markets Bond Fund (ISIN LU0029876355) wiederum zählt zu den etablierten globalen Rentenfonds im Segment. Er investiert sowohl in Staats- als auch Unternehmensanleihen unterschiedlichster Bonitäten, einschließlich unter Investment-Grade-Niveau, und verfolgt das Ziel, neben laufenden Erträgen auch Wertzuwachs zu erzielen. Durch sein breit gestreutes Portfolio über Hard- und Soft-Currency-Anleihen aus vielen Emerging Markets und ein erfahrenes Management kann er taktisch auf Marktveränderungen reagieren. Mit laufenden Kosten von knapp unter zwei Prozent jährlich gehört der Fonds zu den teureren in seinem Bereich.
Erwähnenswert ist auch der Deka-EM Bond CF (ISIN LU0350136957). Das breit gestreute Portfolio besteht aus Schwellenländeranleihen, vornehmlich innerhalb der Ratingbandbreite von B- bis BBB+. Eine strategische Allokation über Staats- und Unternehmensanleihen erlaubt eine ausgewogene Risikostreuung. Die Investitionen in lokalen Währungen sind weitgehend gegen Euro abgesichert, was Wechselkursrisiken reduziert.
Fazit: Schwellenländeranleihen-Fonds sind nun auch für Anleger interessanter geworden, die dem Segment bisher eher skeptisch gegenüberstanden. Die Fonds können ein nicht zu unterschätzender Baustein für diversifizierte Portfolios mit Fokus auf Ertrag und Renditepotenzial sein. Die höheren Kupons, die in vielen Emerging Markets verfügbar sind, können attraktive laufende Erträge liefern. Tipp: Aktiv gemanagte Fonds bieten hier gegenüber passiven ETFs mehr Flexibilität, um Risiken zu steuern und Chancen zu nutzen. Wichtig: Nach wie vor bleibt das Risiko durch politische Unsicherheiten, Währungsvolatilität und Bonitätsfragen hoch – eine aktive Steuerung erscheint vor diesem Hintergrund klug. Anleger sollten diese Instrumente zudem eher als Ergänzung und nicht als Ersatz für Kernanlagen betrachten und sich der erhöhten Schwankungsbreite bewusst sein.
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